BVJ

Für Mittelschulabsolventen, die keinen Ausbildungsplatz haben und einen Beruf in den Feldern Wirtschaft oder Gesundheit anstreben, bietet die kaufmännische Berufsschule (BS2 Aschaffenburg) ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) in Vollzeitunterricht an. Wer auf eine Ausbildungsstelle im Einzelhandel, in den Lagerberufen oder in einer (Zahn-)Arztpraxis hinarbeitet, kann hier erste berufliche Erfahrungen sammeln und durch Praktika in Betrieben und Praxen vertiefen. Interessenten ohne qualifizierenden Mittelschulabschluss ("Quali") können diesen darüber hinaus nachträglich erwerben. Es wird kein Schulgeld erhoben. Sofern auf das Jahr keine Berufsausbildung folgt, ist mit erfolgreichem Bestehen der Berufsvorbereitung (BVJ) die Berufsschulpflicht erfüllt. Schüler mit Mittlerem Schulabschluss können nicht aufgenommen werden.

Auskünfte und Anmeldungen im Sekretariat der

Staatlichen Berufsschule 2

Seidelstraße 2

63741 Aschaffenburg

Tel. 06021 44995-0

Fachbetreuerin für dieses Ausbildungsangebot ist

StDin Yvonne Bachmann

E-Mail: ybachmann@bs2ab.de

Kreative Suchtprävention mit Herz und Haltung – Projekttage in der BVJ-Klasse der Berufsschule 2 Aschaffenburg

Am 24. und 25. Februar 2026 verwandelte sich die BVJ-Klasse der Berufsschule 2 Aschaffenburg in einen Ort intensiver Auseinandersetzung, kreativer Gestaltung und offener Begegnung. Im Mittelpunkt standen zwei besondere Gäste: die Künstlerin und Buchautorin Christina Müller sowie die Vertreterin des Kinder- und Jugendschutzes der Stadt Aschaffenburg, die promovierte Chemikerin Dr. Andrea Soler.

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Bereits zu Beginn der Projekttage wurde deutlich, wie sehr das Thema die Jugendlichen bewegt. Sie empfingen beide Referentinnen offen, neugierig und respektvoll. Über zwei volle Schultage hinweg entwickelte sich eine vertrauensvolle, lebendige Kommunikation, die Raum für Fragen, persönliche Gedanken und ehrliche Gespräche ließ. Die sensible und zugleich fachlich fundierte Begleitung durch die beiden Expertinnen ermöglichte einen Zugang zum Thema Suchtprävention, der gleichermaßen aufklärend wie stärkend wirkte. Organisiert wurden die Projekttage von der Klassenleiterin StRin Skady Grösbrink, die ihren Schülerinnen und Schülern regelmäßig kreative Workshops und besondere Lernformate eröffnet. Begleitet wurden die Tage zudem von der Lehrkraft für das Fach „Lebensgestaltung“ und stellvertretenden Schulleiterin StDin Dr. Tatiana Neugebauer, die die intensive Arbeitsatmosphäre über beide Tage hinweg unterstützte und würdigte. Der erste Projekttag stand ganz im Zeichen der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Sucht ist …“. In beeindruckenden Collagen brachten die Jugendlichen ihre Gedanken, Erfahrungen und Assoziationen zum Ausdruck. Es entstanden sehr persönliche, ausdrucksstarke Werke, die Mut, Nachdenklichkeit und Kreativität gleichermaßen widerspiegelten.

 

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Am zweiten Tag wurden aus Karton und Papier eindrucksvolle Kunstobjekte gestaltet und mit Acrylfarben bemalt. Mit großer Hingabe experimentierten die Schülerinnen und Schüler mit Formen, Farben und Symbolen. Es wurde ausprobiert, verworfen, neu gedacht – und viel gelacht. Bemerkenswert war dabei das Engagement der Jugendlichen: An beiden Tagen blieben alle länger in der Schule, als es der Stundenplan vorsah – ein sichtbares Zeichen für die hohe Motivation und die besondere Atmosphäre dieser Projekttage.

bvj_03_26_bild-3bvj_03_26_bild-4bvj_03_26_bild-5Ein weiterer Höhepunkt war der Einsatz von Simulationsbrillen, mit denen verschiedene Rauschzustände nachempfunden werden konnten. Die Jugendlichen erlebten eindrücklich, wie stark Wahrnehmung, Koordination und Reaktionsfähigkeit im Alltag beeinträchtigt sein können. Diese praktische Erfahrung sorgte nicht nur für Aha-Momente, sondern sensibilisierte nachhaltig – und wurde mit großem Interesse und spürbarer Freude angenommen.

bvj_03_26_bild-6Alle entstandenen Collagen und Kunstobjekte werden dauerhaft im Klassenzimmer ausgestellt. Interessierte Kolleginnen und Kollegen sind herzlich eingeladen, die Arbeiten vor Ort zu betrachten und sich von der Kreativität und Ausdruckskraft der Jugendlichen beeindrucken zu lassen.

Exemplarisch sei das Kunstobjekt „Umkehrung“ hervorgehoben: In dieser eindrucksvollen Darstellung wird nicht – wie so häufig – die Zigarette vom Menschen geraucht, sondern der Mensch scheinbar von der Zigarette „eingeraucht“. Diese bewusst gewählte Perspektivumkehr verdeutlicht auf beeindruckende Weise die hohe Reflexionsfähigkeit und das ausgeprägte abstrakte Denkvermögen der jungen Menschen. Das Werk macht sichtbar, wie intensiv sich die Schülerinnen und Schüler mit Mechanismen von Abhängigkeit und Fremdbestimmung auseinandergesetzt haben.

bvj_03_26_bild-7In der abschließenden Reflexionsrunde fanden die Jugendlichen klare und wertschätzende Worte für ihre beiden Gäste. Das Engagement, die Offenheit und die authentische Art von Christina Müller und Dr. Andrea Soler wurden von allen Beteiligten ausdrücklich gewürdigt. Die Projekttage hinterließen nicht nur künstlerische Ergebnisse, sondern stärkten auch die Selbstreflexion, das Verantwortungsbewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl der Klasse.

bvj_03_26_bild-8Die erfolgreiche Zusammenarbeit wird bereits fortgeführt: Am 25. März wird das Projekt weiter vertieft. Frau Dr. Soler wird die Arbeit mit dem Drogenpräventionskoffer in der Klasse fortsetzen und weitere fachlich fundierte Einblicke in Wirkungsweisen und Risiken verschiedener Substanzen geben. Darüber hinaus ist geplant, vergleichbare Projekte zur Suchtprävention und Persönlichkeitsstärkung in den kommenden Schuljahren weiter auszubauen und fest im Schulprofil zu verankern. Gerade in BVJ-Klassen sind kreative, dialogische und praxisnahe Ansätze ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Bildungsarbeit. Sie eröffnen neue Perspektiven, fördern Verantwortungsbewusstsein und ermöglichen ganzheitliches Lernen.

Diese beiden Tage haben gezeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit von Schule, Kunst und kommunalem Jugendschutz ist. Wenn junge Menschen ernst genommen werden, wenn sie gestalten dürfen und wenn Prävention nicht belehrend, sondern partizipativ und kreativ geschieht, entsteht nachhaltige Wirkung.

Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten – insbesondere Christina Müller, Dr. Andrea Soler, StRin Skady Grösbrink sowie der engagierten BVJ-Klasse – für zwei Tage, die weit über den regulären Unterricht hinausgewirkt haben.

„Verschwörung oder was?“ – Kritische Medienbildung mit Haltung und Theaterpädagogik

Im Rahmen eines weiteren besonderen Projekts durfte die BVJ-Klasse der Berufsschule 2 Aschaffenburg zwei engagierte Referierende der ufuq.de-Stelle Würzburg begrüßen: Saliha Ünver und Patrik Kobler. Unter dem Titel „Verschwörung oder was?“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Fake News, Verschwörungstheorien und deren Wirkung auf Individuum und Gesellschaft auseinander. 

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Von Beginn an war spürbar, wie groß das Interesse der Jugendlichen an der Thematik ist. Viele brachten eigene Erfahrungen aus sozialen Netzwerken mit, berichteten von irritierenden Videos, zweifelhaften Nachrichtenquellen oder Diskussionen im privaten Umfeld. Die Offenheit, mit der sie ihre Gedanken teilten, bildete die Grundlage dieses Projekts, welche von ehrlichem Austausch, kritischem Nachfragen und respektvollem Miteinander geprägt war. Salina Ünver und der Theaterpädagoge Patrik Kobler gestalteten das Projekt methodisch vielfältig und partizipativ. Neben analytischen Übungen zur Entlarvung von Fake News kamen zahlreiche theaterpädagogische Elemente zum Einsatz. Besonders der „Ameisenlauf“ sorgte für Auflockerung und förderte zugleich Wahrnehmung und Gruppendynamik. In Standbildern setzten sich die Jugendlichen kreativ mit Mechanismen von Manipulation, Gruppenzwang und Ausgrenzung auseinander. Bewegungseinheiten strukturierten die intensiven Arbeitsphasen und ermöglichten einen Perspektivwechsel, der sowohl kognitiv als auch emotional wirkte. Gerade diese Verbindung aus inhaltlicher Tiefe und kreativer Methodik eröffnete neue Zugänge. Die Schülerinnen und Schüler lernten, Quellen kritisch zu prüfen, rhetorische Strategien zu erkennen und die emotionale Wirkung vereinfachender Erzählungen zu hinterfragen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr Verschwörungstheorien häufig an bestehende Unsicherheiten, Ängste oder gesellschaftliche Spannungen anknüpfen. 

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Aus der Klasse selbst heraus entwickelte sich im Verlauf des Projekts eine engagierte Diskussion zum Thema Rassismus und rassistische Ausdrucksweisen. Einzelne Schülerinnen und Schüler griffen Formulierungen auch aus sozialen Medien auf und hinterfragten deren Wirkung. Daraus entstand ein interessanter Austausch über Sprache, Abwertung und gesellschaftliche Verantwortung. Diese Diskussion war nicht geplant – sie entstand aus echtem Interesse und zeigte, wie sensibel die Jugendlichen mit gesellschaftlichen Fragen umgehen, wenn man ihnen Raum dafür gibt. Die Organisation ufuq.de steht bundesweit für präventive Bildungsarbeit an der Schnittstelle von politischer Bildung, Extremismusprävention und Pädagogik. Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Urteilsfähigkeit zu stärken, demokratische Werte zu fördern und sie im Umgang mit pluralen Identitäten zu unterstützen. Dabei verfolgt ufuq einen dialogischen Ansatz: Nicht Belehrung, sondern Begegnung auf Augenhöhe steht im Mittelpunkt. Unsere Schule arbeitet seit mehreren Jahren vertrauensvoll mit der Würzburger ufuq-Stelle zusammen. In unterschiedlichen Projekten – unter anderem zu den Themen Identitäten, Diskriminierung und Empowerment – konnten bereits einige Impulse gesetzt werden. Diese kontinuierliche Kooperation ist ein wichtiger Bestandteil unseres schulischen Profils und Ausdruck unseres Selbstverständnisses als Lernort, der gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt. Ein besonderer Dank gilt StDin Yvonne Bachmann, der erfahrenen Leiterin des Bereichs Berufsvorbereitung und Berufsintegration an unserer Schule. Ihr liegen externe Partner, außerschulische Lernorte und innovative Projekte seit jeher besonders am Herzen. Mit großem Engagement ermöglicht sie immer wieder Formate, die über den regulären Unterricht hinausgehen und unseren Schülerinnen und Schülern wertvolle Perspektiven eröffnen. Dieses Projekt „Verschwörung oder was?“ hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig kritische Medienbildung in einer digital geprägten Welt ist. Wenn junge Menschen lernen, Informationen zu hinterfragen, eigene Standpunkte zu reflektieren und respektvoll miteinander zu diskutieren, dann entsteht mehr als Wissen: Es entsteht demokratische Handlungskompetenz. Ein herzlicher Dank gilt Saliha Ünver und Patrik Kobler für ihre fachliche Expertise, ihre wertschätzende Haltung und die inspirierende Verbindung von politischer Bildung und Theaterpädagogik. Das Projekt hat nicht nur informiert, sondern bewegt – im Denken wie im Miteinander.